Die Weser von Minden bis Bremen (im März 2012)

 

Da wir nicht wussten wie das Wetter, der Wind, die Weser und unsere Kondition so mitspielt, trafen wir uns als kleine „handverlesene“ Gruppe in Minden ohne unsere Etappenziele im Vorfeld festgelegt zu haben. Und wie so üblich bei Gepäckfahrten war die erste Frage: Wie passt das da alles rein?? – O.k. Dieses und Jenes muss halt im Auto bleiben. Also dann Leinen los und ab ging es dahin über die noch recht schmale gemütliche Weser. Nach den ersten 40 km kamen wir in Stolzenau an und mussten am dortigen Ruderclub erstmals feststellen: Es ist noch vor der Saison! – Weit und breit keiner zu sehen. Doch dann war das Glück uns doch noch holt und so konnten wir beim Kanuclub des Ortes übernachten und die kleine Küche sowie das Clubhaus inkl. Sanitäranlagen nutzen. Zudem war der Paddelkollege auch noch so freundlich und hilfsbereit sich als Taxifahrer zu betätigen, so dass das abhanden gekommene Equipment wieder eingesammelt werden konnte. Eine Schwimmweste musste inkl. Eigentümerin beim Anlegen unfreiwillig baden gehen und so wurde sie – exkl. Eigentümerin! – an einem Strauch zum Trocken aufgehängt und dort ungewollt zurückgelassen. Es muss sich halt alles noch erst einspielen: Es ist ja noch vor der Saison!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am nächsten Tag – der Nebel wollte gar nicht so recht verfliegen – paddelten wir gen Nienburg. Das ein oder andere Berufsschiff kreuzte unsere Wege, doch ansonsten hatten wir die Weser nahezu für uns alleine. Und da die Strecke am heutigen Tage nicht so lange war, konnten wir es uns auch mal leisten eine Kurve zu drehen, um das Schiff von vorne zu bekommen. Im kleinen Hafen von Nienburg angekommen, entschlossen wir uns trotz noch geschlossener Kanustation – Es ist ja noch vor der Saison – auf dem Platz dort zu nächtigen. Es gab einen benutzbaren Wasserhahn und im Laufe des Nachmittags hatten wir auch noch das Glück, dass uns die Toiletten zugänglich gemacht wurden. Was braucht man mehr  ?!

Nach einer schon gefühlt wärmeren Nacht ging es am nächsten Morgen weiter nach Hoya. Nun nahm die Berufsschifffahrt etwas zu und auch die erste Schleusenfahrt dieser Tour wurde absolviert. Schon unterwegs hofften wir nun doch auf eine Unterkunft mit Dusche – Aber, es ist ja noch Vorsaison?!? – Nein, hier nicht. Schon unterwegs trafen wir eine Gruppe aktiver Ruderer und somit war die warme Dusche und ein kuscheliges Plätzchen für den Abend gerettet. Und da für den nächsten Tag wieder eine etwas längere Etappe anstand, nahmen wir auch das Angebot im Clubhaus zu übernachtend dankend an. Also: Eine absolut empfehlenswerte Übernachtungsstätte mit tollem Clubhaus inkl. der Möglichkeit die Küche und die sanitären Anlagen zu nutzen. Ein Muss als Etappenziel!

Nachdem die Vorräte aufgefüllt waren und Lenny seinen wohlverdienten Spaziergang erhalten hat, machten wir uns weiter auf den Weg flussabwärts nach Bremen. Nun ja bereits „absolut schleusenerfahren“ waren wir trotz Berufsschifffahrtsstau an einer Schleuse optimistisch und so umschifften wir einen „Pott“ um mit der „Antilope“ in die Schleuse einzufahren. Respektvoll ließen wir die zierliche „Antilope“ vor – schließlich wollten wir sie ja nicht abdrängen  - und paddelten gemächlich auf die Schleuseneinfahrt zu. Doch was war das? – Das Schleusentor begann sich zu schließen und es ertönte eine dröhnende Stimme aus dem Lautsprecher: „Paddelboote nicht einfahren!!!“ - Waren etwa wir gemeint?? – Was heißt denn Paddelboote? – Wir sind doch ausgewachsene Seekajaks! Oder ist es eben noch vor der Saison?? Ja, es war nichts zu machen und auch der Sportbootssteg war noch nicht fertig und das hieß: Nicht mit dem Land verbunden. Auch ein charmanter Anruf beim Hafenmeister half nichts. Wir mussten alle drei Berufsschiffe – jedes musste einzeln geschleust werden – vorlassen und somit saßen wir zunächst auf dem Bootssteg fest. Doch wir wären ja nicht wir, wenn wir diese „Zwangspause“ nicht kreativ als Picknickpause nutzten – nur ein intimes stilles Örtchen gab es weder für uns noch für Lenny. Glücklicher Weise erschien in der Zwischenzeit kein weiteres Berufsschiff und so konnten wir unsere Tour dann schließlich doch noch am gleichen Tag – Spaß beiseite: Etwa nach einer guten Stunde – fortsetzen. Kurz vor dem Campingplatz Drosselhof hieß es nochmals: Bitte aussteigen! Eine mit Lore bestückte Umtragestelle sollte laut Karte den Weg ebnen. Aber – ihr denkt es euch bestimmt schon: Es ist ja noch… - Also von Lore weit und breit nichts zu sehen. Doch Dank der Top-Ausstattung für diese Tourenexpedition hatten wir zwei Bootswagen dabei und somit ging es nach einiger Zeit weiter. An diesem Tag hieß es vor der Muse noch mal „Ärmel hochkrempeln“, denn der Deich stellte sich uns in den Weg und die Bootsanleger waren auch noch nicht installiert – Es ist ja… Also noch mal Kräfte sammeln und hinauf mit dem ganzen Equipment.

Am nächsten Morgen – voller Hoffnung, dass es der Wind heute nicht so gut wie am Vortag meinen würde – wollten wir nun Bremen erreichen. Nach dem wir den Begriff „Strom“ für die Weser anfangs eher nicht nachvollziehen konnten, trägt sie hier mit Recht diesen Beinamen. In aller Breite schlängelt sie sich hier durch die Norddeutsche Tiefebene. Aber „schlängeln“ ist eigentlich zu viel gesagt, denn eigentlich wünschten wir uns ein paar Kurven mehr, denn – es ist halt … - Nein! Nein ! Mit der Vorsaison hatte das nichts zu tun, denn wir waren inzwischen in Topform. Es ist halt wie es ist: Der Wind stellte sich auf voller Gerade ein!! Somit beendeten wir die Tour zwei Kilometer vor der Gezeitenschleuse in einem kleinen Yachthafen eines Außenbezirks von Bremen. Bei einem gemütlichen Abendessen im Restaurant ließen wir die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren und vielen müde, zufrieden und aufgewärmt in unsere Schlafsäcke. Toiletten ?!? Sanitäranlagen ?!? – Fehlanzeige. Es ist und bleibt hier noch für zwei Tage – bis zum 01.04. - Vorsaison. Dennoch oder gerade deshalb eine sehr erlebnisreiche und schöne Tour in kleinem Kreise. Ulrike

Weitere Fotos hier!!