Wasser von oben und unten

SchwimmeinlageSeit einiger Zeit hatte Markus über Fronleichnam eine Tour ins tiefe Bayern angesetzt, und zwar zum Wildwasserpaddeln. Ich wollte dieses Mal dabei sein, auch wenn ich nicht der sattelfestete Paddler bei uns im Verein bin. Einen Tag vorher wurde ich mit den Worten "Hoffentlich stopfst Du nicht das Loch der Rißbachlamm" am Verein begrüßt, Das klang nicht unbedingt ermutigend. Irgendwie kam die Behauptung auf, wir würden die Rißbachklamm fahren wollen, was Markus aber nur mit 'Quatsch' kommentierte.

Mittwoch abend ging es dann gemeinsam mit Markus los. Die Fahrt war lang und jede Stunde in den Nachrichten wurde uns viel Regen und daraus resultierendes Hochwasser angekündigt, das klang wirklich nach tollen Vorraussetzungen für einen Paddelurlaub auf dem Campingplatz. Aber wir liessen uns nicht entmutigen, am Rastplatz Allgäuer Tor haben wir übernachtet. und sind am Donnerstag vom Rastplatz aus direkt zur Ammer gefahren.

Dort angekommen war die Pegelampel grün, eine Befahrung also erlaubt. Vor dem Umsetzen haben wir uns noch die schwerste Stelle der Ammer, die Scheibum angesehen. Für mich sah das vom Ufer aus nicht allzu gefährlich aus, was mir durchaus Mut machte. Direkt hinter der Stelle gab es ruhige Kehrwässer, eine Kenterung wäre ärgerlich aber unkritisch. Während ich dann auf das Umsetzen wartete, war das Wetter sogar vorübergehend trocken. Nach einiger Wartezeit ging es dann los, in der Scheibum hat Markus dann eindrucksvoll gezeigt, wo die Schwierigkeit der Scheibum liegt und erwischte einen Fels voll. Von meiner Position in einem Kehrwasser oberhalb sah eigentlich alles nach einer Kenterung aus, aber Markus behielt den Kopf oben. Ich bin daraufhin auch die Stelle gefahren, konnte die Felsberührung auch nicht vermeiden, aber ein beherztes Abdrücken mit dem Paddel und ich war vorbei. Später wurde mir dann von anderen bayerischen Paddler erklärt, warum die Stelle Scheibum hiesse, nämlich weil Paddler in der Anfahrt zunächst 'Schei...' sagen, es dann aber schon 'Bumm' mache. Markus könnte das jetzt vielleicht nachvollziehen.

Bei der weiteren Befahrung kam mit einem Baumhindernis  ein für mich aufregender Moment, der aber glimpflich ausging. Später dann hieß es plötzlich 'Halt Abstand' und alles klang nach einer gefährlichen Stelle. Ich bin dann mit Argusaugen durch einen recht harmlosen Schwall gefahren. Unterhalb der Echelsbacher Brücke gab es dann aber noch eine echte Herausforderung, zwischen zwei Felsblöcken presste sich die Ammer hindurch und unten war eine recht große Walze. Ganz rechts hätte man die Walze umfahren können, aber auf der Flußmitte habe ich bemerkt, daß mir das nicht gelingen wird und ich mitten durch die Walze musste. Die unfreiwillige Kerze die mein Bullet machte war für mich auch ein neue Erfahrung, aber bevor ein Rückwärtsüberschlag passieren konnte wurde ich aus dem Rücklauf rausgedrückt. Mein Adrenalinspiegel musste sich danach aber erst mal normalisieren.

Nach der Tour auf der Ammer sind wir dann zum Campingplatz Isarhorn bei Mittenwald gefahren um dort bis Sonntag zu bleiben. Auf dem Platz stand einiges an Wasser und es regnete inzwischen ohne Pause. Ich war echt froh im Wohnwagen übernachten zu können statt im Zelt. Abends in der Kneipe des Campingplatzes gesellte sich ein nicht mehr ganz (bzw gar nicht mehr) nüchterner Bochumer zu uns um uns eindringlich vom Paddeln abzuraten, denn es sei überall Hochwasser, was sehr gefährlich wäre. Wir haben versucht zu erklären, daß wir nicht leichtsinnig seien, aber trotzdem ein eigenes Urteil fällen würden, wenn wir den Fluß sehen. Auch die Online-Pegel hatten zwar gute Wasserstände aber kein dramatisches Hochwasser angezeigt. Dank des Alkohols drangen diese Argumente aber nicht Rißbachklammmehr recht in das Bewusstsein unseres Gegenübers.

Am Freitag wollten wir dann die obere Isar befahren, was aber nicht ging, da die Taxifahrten dort erst ab dem 01.06. losgehen. Daraufhin sind wir zum Rißbach gefahren, aber vielleicht hätte mir Markus nicht noch vorher die Rißbachklamm zeigen sollen, ich habe mich jedenfalls gegen eine Befahrung entschieden und Markus fand den Rißbach für sich dann nicht spannend genug. Allerdings konnten wir noch sehen, wie ein anderer Paddler an einer Kernstelle des Rißbach schwimmen ging. Da es am Freitag nichts mit dem Paddeln wurde, hat mir Markus noch die Loisach gezeigt, die bei dem vorherrschenden ordentlichen Pegel auch ordentlich schwierig aussah.

Am Samstag dann ging es auf die obere Isar, am Ausstieg konnten wir noch sehen, daß die Kehrwässer dort inzwischen abgesoffen waren, während am Vortag noch schöne Kehrwässer am Ausstieg zu sehen waren. Während der Taxifahrt von Scharnitz zum oberen Futterstadl konnte man die eine oder andere Stelle der Isar sehen, die für mich knackig, aber machbar aussahen. Die Gesichter der anderen Paddler drückten aber schon deutliche Besorgnis aus. Um ehrlich zu sein, mir hat das geholfen, denn wenn in dem Taxi nur richtige Cracks gewesen wären, hätte ich vielleicht nochmal über die Befahrung nachgedacht. Die Fahrt auf der Isar war dann für mich auch gut machbar, allerdings hatte ich Schwierigkeiten kleinere Kehrwässer zu erreichen, die dann auch oft wieder nach hinten abliefen. Aber insgesamt hat es mir viel Spaß gemacht zwischen den Steinblöcken hindurch zu kurven. An einer sehr ruhigen Stelle bin ich aber dann plötzlich fast gekentert, ich weiß auch nicht warum, evtl. habe ich ja geträumt. Aussteigen mußte ich nicht, denn mit dem Paddel gelang es mir dann doch noch mich wieder hoch zu stützen.

Obere IsarAls zweiten Fluß peilten wir dann noch den Inn, speziell die Imster Schlucht an. Ein anderer Paddler der mit uns die Isar befahren ist, wollte lieber nicht dorthin, denn es sollte dort Hochwasser sein. Am Einstieg zur Imster Schlucht konnte der Pigerbach, eigentlich ein kleiner Bach mit reichlich Wasser beeindrucken, der Inn selber sah eher flach und groß aus. Doch ziemlich schnell mußte ich erleben, daß die hohen Wellen dort wirklich existieren. Schon im ersten Schwall habe ich eine Welle gesehen, von der ich dachte, daß sie mich frisst. Genau das geschah dann auch, wahrscheinlich weil ich etwas geschockt war. Trotzdem, unter Wasser habe ich mich sortiert und eine Rolle gemacht, aber nur um direkt von der nächsten Welle wieder kopfüber gedreht zu werden. Daraufhin bin ich doch geschwommen. Markus hat alles eingesammelt, allerdings ist bei der Aktion ein Schaumkeil verloren gegangen, so daß ich dann von einer weiteren Befahrung der Imster Schlucht abgesehen habe.

Am Sonntag ging es dann auch schon wieder auf die Rückfahrt. Wir konnten noch die Isar und die Ammer anschauen, die beide jetzt einen Pegel hatten, bei dem wir nicht mehr hätten fahren wollen. Wie man gehört hat, galt das für so ziemlich alle Flüsse, was ja dann die enormen Hochwasser in Bayern ausgelöst hat. Erst hinter der bayerischen Landesgrenze habe ich  wieder die Sonne gesehen.

Was bleibt von der Tour? Es war wirklich ein Sauwetter, mit gerade einmal zwei Regenpausen, die aber schnell wieder vorbei waren. Es war also vor allem naß. Aber eben auch sportlich sehr interessant. Ich werde die Wellen und Walzen auf der Erft und in Hohenlimburg ab jetzt mit anderen Augen betrachten.

Was die Ausrüstung angeht, ich brauche wohl eine wasserfeste Kamera, dann gibt es demnächst auch mehr Bilder vom Paddeln selbst.

Hier sind noch einige Links, mit ganz guten Beschreibungen der Strecken, die wir gefahren sind, dort gibt es auch Fotos, die ich mangesls Kajak-tauglicher Kamera nicht machen konnte: